Dein Bauunternehmer schickt eine erste Rechnung, bevor auch nur ein Stein verlegt ist. Ein paar Wochen später folgt eine „Baufortschrittsrechnung", danach eine Teilrechnung für den Rohbau, und irgendwo unterwegs taucht das Wort „Sicherheitseinbehalt" auf. Wer zum ersten Mal baut oder renoviert, weiß kaum, was normal ist, wofür genau bezahlt wird und was noch kommt.
Dieser Überblick ist trotzdem entscheidend. Wer seine Vorschuss- und Teilrechnungen nicht verfolgt, weiß irgendwann nicht mehr, was schon bezahlt ist, was noch offen steht und ob die Summe noch innerhalb des vereinbarten Betrags liegt. In diesem Artikel erklären wir die Begriffe in normaler Sprache, zeigen, was in Europa üblich und gesetzlich geregelt ist, und du bekommst einen konkreten Fahrplan, um alles korrekt festzuhalten. Am Ende findest du auch einen einfachen Weg, das mit einem Tool zu lösen.
Vorschuss, Baufortschrittsrechnung, Teilrechnung und Einbehalt: was ist was?
Zuerst die Begriffe, denn genau dort geht es oft schon schief.
- Ein Vorschuss (oder eine Vorschussrechnung) ist eine Zahlung vor dem Start oder der Fertigstellung der Arbeiten. Meist zahlst du ihn direkt nach der Vertragsunterzeichnung, noch bevor die Arbeiten beginnen und Material geliefert wird. Er wird später vom Endpreis abgezogen.
- Eine Baufortschrittsrechnung oder Teilrechnung berechnet einen Teil des vereinbarten Betrags auf Basis bereits ausgeführter Arbeiten. Das ist der wesentliche Unterschied zum Vorschuss: Ein Vorschuss läuft der noch zu leistenden Arbeit voraus, eine Baufortschrittsrechnung stellt bereits erledigte Arbeit in Rechnung.
- Die Schlussrechnung verrechnet alle früheren Vorschüsse und Teilrechnungen, sodass nur der Restsaldo übrig bleibt.
- Der Sicherheitseinbehalt ist ein Prozentsatz, der von jeder Zwischenzahlung als Schutz gegen Mängel einbehalten und erst nach der Abnahme freigegeben wird. In der europäischen Baupraxis sind das oft 3 bis 5% pro Zahlung (CICV Best Practice Guide). Ein Einbehalt ist kein Vorschuss, sondern eine aufgeschobene Zahlung für bereits geleistete Arbeit.
Warum verlangt ein Bauunternehmer überhaupt einen Vorschuss? Meist um den Start zu decken: Material bestellen, die Baustelle vorbereiten, Personal einplanen. Das ist an sich legitim. Das Risiko liegt im Verhältnis: Je höher der Vorschuss, desto größer dein Verlust, wenn der Unternehmer nicht leistet oder insolvent wird.
Und merk dir vor allem diese goldene Regel: Die Summe aller Rechnungen zusammen darf nie den Vertragsbetrag überschreiten. Das klingt selbstverständlich, aber ohne gut geführten Überblick kannst du es schlicht nicht kontrollieren.
Ein Vertragsbetrag, vier Rechnungen
Beispiel: eine Dacharbeit von 40.000 €. Der Vorschuss läuft den Arbeiten voraus; die drei folgenden Rechnungen berechnen bereits ausgeführte Arbeit. Zusammen kommen sie exakt auf den Vertragsbetrag, nie darüber. Vereinbarst du zusätzlich einen Einbehalt von 3 bis 5%, wird dieser Anteil jeder Zwischenzahlung zurückgehalten und erst nach der Abnahme gezahlt.
Wie viel Vorschuss ist normal, und was sagt das Gesetz in Europa?
Die Europäische Union kennt keine harmonisierten Regeln für Vorschüsse und Teilrechnungen bei Bauarbeiten. Wie gut du geschützt bist, hängt also vom Land ab, in dem du baust, und von der Vertragsart. Einige Beispiele zeigen, wie unterschiedlich dieser Rahmen sein kann:
- Frankreich legt beim Kauf vom Plan über die VEFA-Regelung gesetzliche Höchstwerte pro Bauphase fest: höchstens 35% des Preises bei Fertigstellung der Fundamente, 70% beim Rohbau, 95% bei Fertigstellung des Gebäudes, und die letzten 5% erst bei Abnahme ohne Vorbehalt.
- Spanien verlangt, dass alle Vorauszahlungen für eine Wohnung im Bau durch eine Bankgarantie oder Versicherung zugunsten des Käufers gedeckt sind, inklusive Steuern und gesetzlicher Zinsen.
- Deutschland verankert Abschlagsrechnungen in §632a BGB: Zwischenzahlungen müssen an objektiv messbaren Fortschritt gekoppelt sein.
- Belgien wendet auf schlüsselfertige Verträge und den Kauf vom Plan das Breyne-Gesetz an, mit einem zwingenden Höchstvorschuss von 5% des Gesamtpreises.
Außerhalb solcher spezifischen Regime, also bei den meisten gewöhnlichen Renovierungen, gibt es in den meisten europäischen Ländern keine gesetzliche Obergrenze für Vorschüsse. Was als angemessen gilt, ist dann Branchenpraxis statt Gesetz. So betrachtet der belgische Verbraucherrat Vorschüsse von 20 bis 30% im klassischen Wohnungsbau als normal, sofern der Rest in Raten entsprechend dem Baufortschritt gezahlt wird.
Der rote Faden ist überall derselbe: Zahlungen sollen dem tatsächlichen Fortschritt folgen. Wo das Gesetz keine Obergrenze setzt, raten Verbraucherorganisationen dazu, hohe Vorschüsse zu vermeiden und gestaffelte Zahlungen zu vereinbaren, die im Vertrag stehen. Dieser prozessuale Halt funktioniert in jedem europäischen Land, unabhängig von den lokalen Details.
Fahrplan: so verfolgst du alle Rechnungen korrekt
Du musst weder Jurist noch Buchhalter sein, um das gut zu machen. Diese fünf Schritte reichen.
Schritt 1: einen Zahlungsplan im Vertrag festhalten
Vereinbare vor dem Start, welche Prozentsätze zu welchen Zeitpunkten gezahlt werden, gekoppelt an klare, überprüfbare Phasen: bei Lieferung der Fenster, nach Eindeckung des Dachs, nach der Abnahme. Halte auch etwaige Einbehalte schriftlich fest: welcher Prozentsatz, und wann er freigegeben wird.
Schritt 2: jede Rechnung auf Typ und Betrag prüfen
Frag dich bei jeder Rechnung: Ist das ein Vorschuss, eine Baufortschrittsrechnung oder die Schlussrechnung? Passt der Betrag zum Zahlungsplan? Und bei einer Baufortschrittsrechnung: Entspricht der abgerechnete Betrag tatsächlich ausgeführten Arbeiten?
Schritt 3: Nachweis des Fortschritts verlangen
Praxisleitfäden für Bauverträge empfehlen, Zahlungen mit nachweisbarem Fortschritt zu untermauern: Mengen, Fotos, Berichte oder Zertifikate. Professionelle Bauherren lassen Baufortschrittsrechnungen sogar formal zertifizieren, bevor gezahlt wird. Als Privatperson kannst du dasselbe Prinzip einfach anwenden: Geh über die Baustelle oder verlange Fotos, bevor du eine Teilrechnung bezahlst.
Schritt 4: eine einzige Übersicht aller Rechnungen führen
Notiere pro Rechnung: Datum, Typ, Betrag, was du bereits gezahlt hast und den offenen Saldo pro Posten. Bewahre das PDF jeder Rechnung beim richtigen Posten auf, damit du spätere Diskussionen mit Dokumenten statt mit Erinnerungen entscheidest.
Schritt 5: die Schlussrechnung besonders gründlich prüfen
Die Schlussrechnung muss alle früheren Vorschüsse, Teilrechnungen und etwaige Einbehalte korrekt verrechnen. Zähl alles zusammen und gleiche es mit dem Vertragsbetrag ab. Das ist der Moment, in dem sich eine gut geführte Übersicht selbst bezahlt macht.
Von losen Ordnern zu einer Übersicht: so hilft ein digitales Tool
Die meisten Renovierer halten das heute in einer Excel-Datei, einem Ordner mit Papieren oder gar nicht fest. Das Problem ist immer dasselbe: Die Rechnungen liegen nicht am selben Ort wie das Budget, und die Verbindung zwischen einem Angebot und den darauf folgenden Teilrechnungen muss jedes Mal von Hand hergestellt werden.
Wer daran keine Stunden verlieren will, löst das mit einem zentralen Tool. Bei uns ist das PiggyPlanr, eine Budget-App mit einem separaten Baumodus. Für die Verfolgung von Vorschüssen und Teilrechnungen funktioniert das so:
- Du legst pro Teil deiner Renovierung (Küche, Dach, Fenster) ein Angebotsprojekt an. Sobald du ein Angebot auswählst, wird der Betrag reserviert: Dein Dashboard zeigt, was bereits festliegt, noch bevor eine Rechnung eintrifft. Passt der reservierte Betrag nicht ins Budget dieses Postens, färbt sich die Zeile rot.
- Schickt der Bauunternehmer eine Vorschuss- oder Teilrechnung, wandelst du das Angebot ganz oder teilweise in eine Rechnung um. Du gibst einfach den Teilbetrag ein; der Rest ist schon aus dem Angebot ausgefüllt.
- Die App zeigt danach pro Angebot den Restbetrag und eine Liste dessen, was bereits abgerechnet ist. Jeder Euro wandert automatisch von „reserviert" zu „ausgegeben", ohne Doppelzählung. So siehst du sofort, ob die Summe innerhalb der Vereinbarung bleibt.
- Jede Rechnung bekommt ein Datum, einen Lieferanten, eine Rechnungsnummer, eine Finanzierungsquelle (Kredit oder Eigenmittel) und auf Wunsch sogar ein PDF als Anhang. Ruft der Unternehmer wegen „Rechnung 2025038" an, findest du sie in Sekunden.
So baust du genau die Übersicht auf, die professionelle Bauherren über teure Vertragsverfahren organisieren, nur eben auf deinem Smartphone. Einbehalte und Umsatzsteuer bleiben Dinge, die du im Vertrag und mit deinem Unternehmer regelst; die App hält die Beträge und Dokumente für dich fest. Deine Verwaltung bleibt eine Sache von Minuten statt von Abenden.
Was ändert sich, wenn du das durchhältst?
Nach 3 Monaten hast du eine feste Routine: Jede Rechnung wird bei Eingang auf Typ und Betrag geprüft, dem richtigen Posten zugeordnet und sofort archiviert. Du weißt jederzeit, was du wem gezahlt hast.
Nach 6 Monaten, mitten in den Arbeiten, siehst du auf einen Blick, welche Posten noch Luft haben und welche unter Druck stehen. Fällt eine Teilrechnung höher aus als kalkuliert, merkst du das sofort und kannst gegensteuern, statt überrascht zu werden.
Nach 12 Monaten kommt die Endabrechnung. Wo viele Bauherren dann mit Kontoauszügen und verstreuten Mails puzzeln müssen, legst du einfach deine Übersicht neben die Schlussrechnung und prüfst innerhalb einer Viertelstunde, ob alle Vorschüsse und Teilrechnungen korrekt verrechnet sind.
Fazit: Überblick ist dein bester Schutz
Vorschussrechnungen, Baufortschrittsrechnungen und Teilrechnungen sind keine exotischen Buchhaltungsbegriffe, sondern die Art, wie fast jede Renovierung bezahlt wird. Der gesetzliche Schutz unterscheidet sich stark je Land, dein größter Halt ist also der Prozess selbst: ein klarer Zahlungsplan im Vertrag, Zahlungen gekoppelt an nachweisbaren Fortschritt, und eine Übersicht, in der jede Rechnung, jeder Betrag und jeder Saldo steht. Mit den fünf Schritten aus diesem Artikel hast du alles in der Hand, um heute damit anzufangen.
Willst du diese Übersicht lieber nicht selbst in Excel pflegen? Probiere PiggyPlanr kostenlos aus und verfolge deine Angebote, Rechnungen und dein Baubudget an einem Ort, 14 Tage unverbindlich.
Quellen
- Europäische Kommission, „VAT Directive: Chargeable Event" (Umsatzsteuer bei Vorauszahlungen). https://taxation-customs.ec.europa.eu/taxation/vat/vat-directive/chargeable-event_en
- Finalteri Avocats, „Payment in instalments under a VEFA contract" (Frankreich, gesetzliche Raten von 35, 70, 95 und 5%). https://www.christian-finalteri-avocat.fr/en/payment-in-instalments-under-a-vefa-contract/
- Banco de España, „Guarantees when buying a home" (Spanien, Pflichtgarantie auf Vorauszahlungen). https://clientebancario.bde.es/pcb/en/menu-horizontal/productosservici/avales/guia-textual/garantia-de-devo/
- Stripe, „Abschlagsrechnungen in Deutschland erklärt" (§632a BGB). https://stripe.com/de/resources/more/progress-invoices-germany
- Stripe, „Vorschussrechnungen in Deutschland erklärt" (Umsatzsteuer fällig bei Erhalt des Vorschusses). https://stripe.com/de/resources/more/advance-invoices-germany
- FÖD Wirtschaft, „Breyne-Gesetz" (Belgien, maximaler Vorschuss von 5%). https://economie.fgov.be/nl/themas/consumentenbescherming/bouwen/wet-breyne
- Verbraucherrat, „Stellungnahme 499 zu Vorschüssen" (Belgien, Praxis von 20 bis 30% Vorschuss). https://economie.fgov.be/sites/default/files/Files/About-SPF/avis-cc-rvv/Advies-499-Raad-Verbruik.pdf
- VGD, „Vorschüsse mit oder ohne Umsatzsteuer" (Belgien, Umsatzsteuerregelung für Vorschussrechnungen seit 2015). https://vgd.eu/blog/voorschotten-met-of-zonder-btw
- CICV und FIS, „Best Practice Guide: Retention in Construction Contracts" (Einbehaltspraxis von 3 bis 5%). https://www.thefis.org/?td_restrict_media_path_by_role=/wp-content/uploads/2019/12/CICV-Note-7-Retention.pdf
Dieser Artikel ist allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Für einen konkreten Fall wendest du dich am besten an deinen Bauunternehmer, Notar, Juristen oder Steuerberater.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Vorschuss ist bei einer Renovierung normal?
Das unterscheidet sich stark je Land und je Vertragsart. Nur spezifische Regime setzen harte Grenzen, etwa die französischen VEFA-Raten oder das belgische Breyne-Maximum von 5%. Für gewöhnliche Renovierungen gibt es in den meisten europäischen Ländern keine gesetzliche Obergrenze; als Anhaltspunkt betrachtet der belgische Verbraucherrat 20 bis 30% als übliche Branchenpraxis, sofern der Rest in Raten folgt. Sei vorsichtig bei Vorschüssen weit darüber und vereinbare immer gestaffelte Zahlungen.
Was ist der Unterschied zwischen einer Vorschussrechnung und einer Baufortschrittsrechnung?
Eine Vorschussrechnung verlangt Zahlung für Arbeit, die noch geleistet werden muss. Eine Baufortschrittsrechnung oder Teilrechnung berechnet bereits ausgeführte Arbeit auf Basis des Fortschritts. Bei einer Baufortschrittsrechnung darfst du also einen Nachweis dieses Fortschritts erwarten.
Wann wird Umsatzsteuer auf einen Vorschuss fällig?
Die europäische Mehrwertsteuerrichtlinie bestimmt, dass die Steuer bei einer Vorauszahlung im Moment des Zahlungseingangs entsteht, und nur auf den erhaltenen Betrag, sofern klar beschrieben ist, wofür du zahlst. Die praktische Umsetzung unterscheidet sich je Land. In Deutschland ist die Umsatzsteuer auf einen Vorschuss zum Beispiel fällig, sobald die Zahlung eingeht, und in Belgien darf ein Bauunternehmer seit 2015 zwischen einer Zahlungsaufforderung ohne Umsatzsteuer mit anschließender Endrechnung und einer Vorschussrechnung mit Umsatzsteuer wählen. Bist du bei einem konkreten Fall unsicher, leg ihn deinem Steuerberater vor.
Was ist ein Sicherheitseinbehalt und sollte ich ihn anwenden?
Ein Einbehalt bedeutet, dass du einen kleinen Prozentsatz jeder Zwischenzahlung bis nach der Abnahme zurückhältst, als Sicherheit für die Behebung von Mängeln. In der europäischen Praxis sind das meist 3 bis 5%. Es ist keine Pflicht, sondern eine vertragliche Vereinbarung: Willst du damit arbeiten, dann schreibe Prozentsatz und Zeitpunkt der Freigabe ausdrücklich in den Vertrag.

